Machen wir uns nichts vor… Heidis #Aufschrei

On 23. Juni 2013 by Luzia Tschirky

Erinnern Sie sich? #Aufschrei. Die Debatte über Alltagssexismus auf Twitter? Von Deutschland ist damals auch die Diskussion in die Schweiz gekommen.

Auch wenn einige Artikel zum Thema publiziert worden sind, wie dieser Blog-Eintrag von Philippe Wampfler sehr schön zeigt, so ist in der Schweiz die gesellschaftliche Debatte ausgeblieben. Auch im Gespräch mit männlichen Berufskollegen höre ich, dass das Thema längst nicht bei allen auf dem Radar erschienen ist. Weswegen? Die Artikel belegen, dass wir keine Insel der Glückseligen sind, wie wir vielleicht gerne denken würden. Auch in der Schweizer Politik gibt es Sexismus . Aber dennoch hat sich #Aufschrei  hierzulande nicht verselbstständigt, wie dies in Deutschland der Fall gewesen ist. Woran liegt das? Ist es unsere Schweizer Zurückhaltung? Sind die Belästigungen weniger aufdringlich, weniger extrem? Im Vergleich zu Deutschland wurden in der ganzen Diskussion nie konkrete Beispiele genannt. Sehr lange habe ich gezögert mich persönlich zu diesem Thema zu äussern. Nach einem Treffen mit Carolin Neumann an einer Tagung in Deutschland, an welcher #Aufschrei noch immer Thema war, habe ich mich umentschieden. Denn genau um Tabubruch geht es schliesslich bei #Aufschrei.

Heidi

Die Berge und das Leben sind auch in diesem Land nicht rosa. Für #Aufschrei gäbe es auch bei uns Anlass genug.

Die weiter unten genannten Schweizer Beispiele* sind Ausschnitte aus persönlichen Erfahrungen, die ich alle gemacht habe im Zusammenhang mit meiner journalistischen Arbeit. Immer war ich dabei in einem sogenannten „beruflichen Umfeld“.

1. Beispiel:

Es ist spätabends und ich stehe im Hotellift, der nicht losfahren will, obwohl ich die Karte in den dafür vorgesehenen Automaten reingeschoben habe, um die Knöpfe der Etagen zu aktivieren. Hinter mir kommt jemand in den Lift, der geschätzte 30 Jahre älter ist als ich. Ein Mann mit einer leitenden Position bei einer Schweizer Lokalzeitung. „Ach, Sie müssen die Karte wieder schnell rausziehen“, erklärt er fachmännisch. „Aber das haben die Frauen halt nicht gerne. Schnell raus und wieder rein.“ Von seinem Lachanfall können er und ein zweiter Mann im Lift sich die nächsten Minuten kaum mehr erholen.  Wäre ich emanzipiert gewesen in dieser Situation hätte ich mich gewehrt, hätte nicht rumgestammelt von wegen solche Sprüche würden mir nichts ausmachen, wäre mein Kopf nicht so rot geworden wie der Alarmknopf im Lift. „Hätte, hätte Fahrradkette.“ Davon ändert sich genau nichts.

2. Beispiel

Journalistenveranstaltungen scheinen die Zunge der sonst seriösen Berichterstatter zu lösen: Apéro. Es ist schon ziemlich spät und eigentlich Zeit nach Hause zu gehen. Er ist mehr als 40 Jahre älter als ich und eigentlich schon in Pension. Das hindert ihn nicht daran sich danach zu erkundigen, ob ich nicht die Nacht bei ihm verbringen möchte. Der Mann kennt nicht einmal meinen vollen Namen. Ich flüchte. In das nächststehende Grüppchen von Journalisten. In der Masse würde er sich wohl nicht getrauen nochmals danach zu fragen. Auch hier habe ich mich im Nachhinein schrecklich geärgert: Wieso wehre ich mich nicht?

3. Beispiel

In manchen Situationen war ich nicht selbst Betroffene, sondern Zeugin. Aufnahmen für eine Jugendsendung: Thema Verhütung. Der Experte und eine junge Moderatorin sitzen im Studio. Ich bin als Zuschauerin in der Regie für einen Blick hinter die Kulissen. In einer kurzen Sendepause spricht der Regieleiter der Moderatorin über den Knopf im Ohr folgenden Satz zu: „Nimm ihn in den Mund!“ – Die junge Frau wird hochrot und lacht verlegen. Kein Grund für den Regieleiter sich zu entschuldigen, nein er widerholt seine Forderung und sein Regieassistent kann gar nicht mehr aufhören zu lachen.  Die Moderatorin verhält sich gleich wie ich im Lift – sie stammelt herum.

Flirten ist eben nicht dasselbe!

Ich gehe nicht davon aus die Einzige in diesem Land zu sein, die solche und ähnliche Erfahrungen regelmässig macht. Vielmehr vermute ich, dass viele zum Thema schweigen. Aber wir sollten aufhören uns etwas vorzumachen: Alltagssexismus ist auch in der Schweiz ein Problem. In Gesprächen höre ich immer wieder denselben Satz: „Wenn das so weiter geht, getrauen sich Männer nicht mehr Komplimente zu machen. Alles gilt dann gleich als Belästigung.“ Mit dieser Argumentation gibt man jenen einen Freipass, welche den Unterschied zwischen Kompliment und sexistischer Belästigung nicht machen. Aber ist diese Grenze wirklich so schwer zu erkennen? Die Namensgeberin von #Aufschrei, Anne Wizorek, würde dem widersprechen: „Es geht um Macht und hat nichts mit flirten zu tun.“ In der Schweiz scheinen wir von dieser aufgeklärten Haltung noch sehr weit entfernt.

#Aufschrei ist an diesem Wochenende mit dem Grimme Online Award 2013 ausgezeichnet worden. Was aber hat #Aufschrei gebracht? Auf die Frage von @marthadear antworteten auf Twitter viele, dass das Schweigen gebrochen sei und man nun wisse mit dem Problem nicht allein zu sein. Aber anstelle nur inständig darauf zu hoffen, dass dies auch in der Schweiz der Fall ist, versuche ich auch noch andere Frauen hierzulande dazu anzuregen Klartext zu sprechen.

*Die Namen der Männer aus den genannten Beispielen sind absichtlich nicht erwähnt.

Sagen Sie es weiter:

21 Responses to “Machen wir uns nichts vor… Heidis #Aufschrei”

  • Anna Rosenwasser

    Ein weiteres Beispiel:

    Zusammen mit einem Fotografen besuche ich ein Hockey-Match in einem regionalen Stadion. Wir sind zuvor schriftlich und namentlich als Berichterstattende angemeldet worden, wovon man am Schalter jedoch nichts wissen will und uns an die Sicherheitsmänner verweist. Dort stelle ich mich mit Name und Presseausweis vor. Der Sicherheitsmann, etwa 40, lacht nur, duzt mich ungefragt und kommentiert mein Ausweisfoto mit «Da hast du dir aber Mühe gegeben». Mit ein paar Sprüchen an meine Adresse lässt er uns rein und doppelt später, trotz meiner Konsternation, noch nach, unter anderem mit einer Anspielung, dass der Fotograf und ich was miteinander hätten.
    Mit einem Blick auf die Visitenkarte, die er mir zusteckt, stellt sich heraus, dass er der Chef der Sicherheitsfirma ist.
    Auf der Fahrt zurück in die Redaktion kann sich mein Fotograf, ein 30-Jähriger, kaum erholen davon, wie ich behandelt wurde – während ich Derartiges sehr oft erlebe. Bin icha ber mit ihm unterwegs, kommt es gelegentlich vor, dass meine GesprächspartnerInnen mit ihm statt mit mir reden, um wichtige Informationen zu geben, obwohl er sich als Fotograf vorstellt.
    Und was hätte anders laufen sollen? Ich hätte nicht irritiert lächeln sollen, denn ich schulde niemandem höfliches Harmlossein – weder als Journalistin noch als Mitmensch. Hilflos macht mich aber auch, dass mein Fotograf, der sich selbst als interessierter Anti-Sexist sieht, in keiner Weise eingegriffen hat. Dass ich mir im Nachhinein als «Übertriibi» vorkomme, wenn ich die Geschichte anderen erzähle, ist auch ein Hinweis darauf, dass die Ansicht noch nicht etabliert genug ist, dass Frauen sich wehren können, dürfen, müssen.

  • Manolo

    @ Anna: Hat das nicht mehr damit zu tun, dass du jünger bist als der Fotograf, dass er mit ihm, statt mit dir redet? Das wäre dann eine ganz andere Problematik – älteren Mitarbeitern wird in fast allen Branchen mehr Respekt gezollt.

    Das Sexismusproblem existiert übrigens genau gleich in die Gegenrichtung: Wenn ich zB. mit einem Freund über unsere Velo-Routen spreche – und wer wo wie schnell ist – sagt eine sie nebenan “ihr Männer müsst doch immer eure Schw… vergleichen” .. ist das etwa nicht genauso sexistisch? Und denkt jetzt nicht “Männer stecken sowas doch gleich wegg”.. mag zwar teilweise sein, aber genau der Gedanken ist schon wieder sexistisch. Und gerade sehr emanzipierte Frauen (ich habe gar nichts gegen die) gehen oft sehr locker mit Sexismus gegen Männer um. Einfach mal zum im Hinterkopf behalten…

    • Lisa Zeller

      Sexismen in “beide Richtungen” sind natürlich nicht zu befürworten. Um was es hier allerdings geht, ist, dass diese Vorfälle in einem professionellen Umfeld geschehen sind, wo solche Dinge einfach keinen Platz haben dürfen – wie übrigens sonst auch nirgends! Aber man stelle sich mal die oben genannten Situationen umgekehrt, also mit vertauschten Geschlechtern vor. Funktioniert nicht ganz, oder?

    • Anna Rosenwasser

      Oh, was haben wir denn da? Einen Eintrag über Diskriminierung von Frauen und daraufhin ein Mann, der auf arme Männer verweist. Bei allem Respekt, Manaolo, weisst du, wie oft das vorkommt? – Eigentlich immer. Überleg dir mal, wie weit die Gleichberechtigung sein kann, wenn beim Thematisieren von Frauenunterdrückung jedes einzelne Mal Männer auf ihre Benachteiligungen verweisen. Ich streite deine Argumente nicht ab: Sexismus schadet allen, nicht nur den Frauen (und kommt genauso nicht bloss von Männern, sondern ist ein gesellschaftliches Phänomen). Aber wenn Männer nicht einmal zuhören und -stimmen können, sondern sogleich auf sich selbst fokussieren, sagt uns das was genau? – Eben. Willkommen im Androzentrismus.

      • hgb3659

        Hallo Frau Rosenwasser,

        zuerst einmal: Ich kann Ihre Wut und auch Ihre Konsternation über den Vorfall sehr gut verstehen. Und ich bedauere sehr, dass so etwas vorkommt.

        Aber wie Sie damit umgehen, ist aus meiner Sicht nicht in Ordnung. Ihr Fotograf hätte Sie verteidigen müssen? Vielleicht war er in dem Moment genauso überfordert wie Sie? Außerdem wäre es nicht irgendwie kontraproduktiv, wenn er es tut? Ist es nicht besser, sie kontern diesem Wachmann selbst? Damit gar nicht erst das Bild von der schutzbedürftigen Frau entsteht, die sich nicht selbst verteidigen kann?

        Auch den Beitrag von Manolo und Ihre Antwort finde ich nicht gut. Sie pauschalieren da beide: “die” Frauen bzw. “die” Männer. Manolo gehört vielleicht zu denen, welche wirklich nie sexistische Bemerkungen machen und fühlt sich deshalb zu Recht von solchen Sprüchen gestört. Es sollte nicht ein Kampf Männer gegen Frauen (und umgekehrt) sondern ein gemeinsames Vorgehen aller „Nicht-Sexisten“ geben, oder?

        PS: Die Einleitung “Oh, was haben wir denn da?” finde ich sehr unhöflich und herablassend.

      • Schattenlos

        Oh was haben wir denn da? Einen Hinweis eines Mannes auf Sexismus in beide Richtungen und daraufhin eine Frau, die ihn zurechtweist. Bei allem Respekt, Anna, weißt Du, dass er Dich gar nicht angegriffen hat? Überleg Dir mal wie weit die Gleichberechtigung sein könnte, wenn beim Hinweis auf Sexismus gegen Männer jede einzelne Frau einmal ihr Verhalten reflektieren würde? Sexismus schadet allen und geht auch von beiden Geschlechtern aus, weder nur von Männern noch nur von Frauen. Aber wenn Frauen nicht einmal zuhören und akzeptieren können, sondern gleich wieder die Diskussion nur auf sich selbst fikussieren wollen, sagt uns das genau was? – Eben, willkommen im Ego-Land.

        Manolo hat nichts weiter tun wollen, als den Horizont dieser Diskussion, und vielleicht auch Deinen im besonderen, erweitern zu wollen. Das er dafür von Dir gleich runtergeputzt wird und gefälligst “das Maul halten solle wenn sich Frauen unterhalten” spricht nicht gerade für Dich und Deine Diskussionskultur. Aber genau da liegt das Problem bei einem Großteil der Sexismus-Diskussion – alle reden zwar übereinander, aber nur ganz selten miteinander – ganz speziell über die Geschlechtergrenzen hinweg.

  • Faustina

    Natürlich sind solche Begebenheiten mehr als ärgerlich. Und die Männer, die sich in solchen Situationen gefallen, sind natürlich Sexisten. Allerdings sind sie auch Grobiane. Du kannst vermutlich davon ausgehen, dass sie sich dein Geschlecht als wohlfeile Gelegenheit ausgesucht haben, um ein Bisschen Dampf abzulassen. Solche Typen lassen sich solche Gelegenheiten nicht entgehen. Ist gerade keine Frau da zum Schikanieren, muss halt eine andere Schwachstelle her, sei das präsupponierte Impotenz oder Homosexualität, dunkle Hautfarbe oder irgendetwas anderes, was in deren verquerem Weltbild als “Makel” hinhalten muss – zumindest in meiner reichhaltigen Erfahrung mit solchen “Herzchen”. Es geht also primär um Gewalt und erst dann um Sex. Was hindert dich daran, selber grob zu werden? Zeige ihnen, wie armselig ihr Auftritt ist und schon geht der Punkt an dich. Hier eine kurze Liste der Klassiker (am besten vor Publikum): 0. Immer sachlich bleiben und sich nicht beirren lassen. Funktioniert am besten nach 20 Jahren Meditation und/oder mit Hilfe von Tranquis ;-) 1. In das Gelächter einstimmen, immer ein Tickchen zu laut und etwas deplaziert, dabei betonen wie lustig das doch sei und wie sehr er sich jetzt Mühe gegeben hätte. 2. Laut verkünden wie sehr man keine Lust auf ein Techtelmechtel hat und dabei die ganze Diskussion lautstark wiederholen und noch lauter die Karte ablehnen. 3. Laut nachfragen wie das jetzt gemeint ist (in beruflichem Umfeld zu empfehlen). Wenn er es wider Erwarten expliziert, eine geeignete Anlaufstelle kontaktieren.

    Auf keinen Fall konsterniert schweigen – ausser dir ist die Zeit und die Mühe zu schade. In jedem Fall gilt: You always meet twice, vor allem im Berufsleben. Es gibt auch später noch die Möglichkeit, sich für so einen Vorfall erkenntlich zu zeigen.

    Thematisiert wird das ganze in der Schweiz (noch) nicht, weil wir uns immer davor drücken, solche Dinge zu thematisieren – Siehe das Tauziehen um nachrichtenlose Vermögen, Verdingkinder und “adminstrative Versorgung”. Sexuell konnotierte Verbalgewalt wird sich wohl hinten anstellen müssen.

    • Marvin

      Die Tips sind ja mal echt Spitze! Viel zu oft scheitert es leider am Unvermögen, es zum gegebenen Zeitpunkt abrufen zu können…Dabei wäre es doch schön, und eine Grenzmarkierung erster Qualität! Leider (oder lieber doch Gottseidank) habe ich als Mann, so eine Situation noch nie miterlebt… Ich würde mit Freude bei der Belästigten fragen, ob ich dem Herrn die Klötzchen stutzen dürfte.

  • Lisa Zeller

    Sehr cool von dir, Luzia! Also ich bin auch Journalistin und kann zwar beruflich keine Erfahrungen nennen, weil ich in meiner Arbeit eher über solche Themen schreib und sich das dann eher in den Kommentaren äußert, in denen alle Verhältnisse auf einmal wieder umgedreht werden sollen. Dafür könnte ich mit zahlreichen privaten Erfahrungen “glänzen”, was ja auch Teil von #aufschrei ist. Ich kann insgesamt aber leider auch nur bestätigen, dass es in Österreich nicht besser ist. Für ein berufliches Beispiel möchte ich allerdings den grandiosen Kommentar von profil-Journalistin Elfriede Hammerl zum Thema posten. Echt lesenswert: http://www.profil.at/articles/1305/574/351647/elfriede-hammerl-maedchen

  • Manolo

    @Anna – ok, ich halt mich aus eurer “Frauendiskussion” raus und lasse mich als Mann gerne von der Diskussion ausschliessen/unterdrücken – denn es geht ja um Frauendiskriminierung. Dass das etwa so rauskommen wird hab ich Luzia auch gesagt und wollte darum den Post erst gar nicht verfassen. Ihr zuliebe hab ich es dann doch getan.
    Ich höre euch natürlichauch gerne zu und sage garnichts – wie du wünscht.

  • Peter

    Die gesamte mediale “Aufschrei”-Kampagne dreht sich ausschließlich um die Befindlichkeiten von Frauen. So natürlich auch dieser Beitrag hier. In den Kommentaren wagt ein Mann einmal den Versuch, diesen Sexismus zu unterbrechen. Prompt erfolgt der Vorwurf des “Androzentrismus”. Immerhin ist das ein klares Bekenntnis, dass die bisherige Kampagne gynozentrisch und damit eben selbst sexistisch geprägt ist. und GENAU DESHALB werden etliche Männer damit nicht ereicht.

  • Earonn

    @Manolo & Anna
    Wenn ich mich da mal dazwischen drängen darf…
    Manolo, niemand spricht dir das Recht ab, dich zu melden. Anna hat ja auch selbst gesagt, dass Sexismus in beiden Richtungen falsch ist.
    Nur: der Sinn und Zweck von #aufschrei sollte ja auch sein, gerade den Männern deutlich zu machen, dass es eben nicht um “mal ein verunglücktes Kompliment” geht, sondern dass es den Frauen – und hier glaube ich, besteht der wirkliche Unterschied – oft & überall passiert. Mal ehrlich, wurdest Du in den letzten 25 Jahren ca. 40 mal mit Worten oder Gesten sexuell belästigt + einmal fast vergewaltigt (sowas wie im Beruf ignoriert werden, weil die Kunden sich nicht vorstellen können dass die Frau da der Fernsehtechniker sein soll, der ihr Gerät repariert hat, ganz außen vor gelassen)? Das ist allein meine Bilanz und ich bin ehrlich nicht hübsch und kleide mich am liebsten in Jeans und T-Shirt.
    Alles, was wir von euch anständigen Männern – die ja in der Überzahl sind – erhofften war so etwas wie “Was? So oft? Und so mies, sogar im Beruf? Das wusste ich nicht. Das finde ich schlimm.” Und genau das kommt so gut wie nie.

    Wenn Du mir erzählst, dass Du ganz schlimme Kopfschmerzen hast, dann *kann* ich dir natürlich sagen, dass ich ja auch ganz fieses Knieweh habe. Ist mein gutes Recht. Kann auch angemessen sein. Doch eigentlich lautet die normale Antwort doch erst mal ungefähr
    a) Du Ärmster!
    b) Kann ich dir helfen (hab Aspirin dabei)?
    Wenn wir über Belästigungsschmerz in der Größenklasse einer kapitalen Migräne reden, um das mal so auszudrücken, lautet die Standardantwort: aber ich hab mir doch vorhin den Finger gestoßen, guck mal!

    Darum sag doch mal bitte: wusstest Du, dass es das in solchem Umfang gibt? Kommen dir meine Zahlen hoch oder niedrig vor? Vielleicht als Vergleich: wie sieht es bei dir aus mit eigenen Erfahrungen?

  • Anne-Careen

    Wenn frau von einem Kollegen verbal belästigt wird, würde ich in jedem Fall “zurück schiessen”. Es kommt natürlich auf den Fall an, aber die Situation schlicht zu benennen kann einem schon helfen, sich besser zu fühlen ohne sich zu sehr zu zeigen. Es geht ja im Grunde darum, die Kontrolle wieder zu bekommen. Anschliessend fragen, ob er sich der Konsequenzen bewusst ist.

  • Arend

    Beipiel 1:
    Ich habe beim Lesen gelacht. (Vielleicht können Sie mir einen Tipp geben über welche Themen man unverfänglich Witze machen kann)

    Beispiel 2:
    Ab wieviel Jahren Altersunterschied muss ich davon ausgehen, dass sich die angesprochene Dame belästigt fühlt?

    Beispiel 3:
    Frechheit, hier sollte die Moderatorin aber auch entsprechend reagieren, wenn es sie denn gestört hat. Zum Beispiel den Personalrat etc. informieren.

    Insgesamt ist mir bei Ihren drei Beispielen aufgefallen, dass ausschließlich ältere Männer sind, die Ihnen negativ auffallen. Ist das Zufall oder können Sie aus Ihrer Erfahrung heraus eine Tendenz ablesen?

  • Kurt Mueller

    Meine Schlagfertigkeit hält sich ja leider auch in Grenzen. Aber da es für Frauen anscheinend Alltag ist, aufs Blödeste angebaggert zu werden – warum legt frau sich für solche Situationen nicht ein paar passende Sprüche bereit? Je nach Tagesform und konkreten Umständen entweder witzig oder einfach kurz und knackig unter die Gürtellinie. Ich will das Verhalten mancher Geschlechtsgenossen nicht entschuldigen – aber wenn man nur verlegen errötet statt dieser Sorte Machos den Marsch (und nur den!) zu blasen, ändert sich nie was. Einer Journalistin sollte doch was einfallen, etwa: “Ich würde ja gern, aber Sex mit dem eigenen Opa ist strafbar” für die alten Säcke, “Für solche Männer gibt’s Gummipuppen” für die Rein-raus-Witzbolde oder einfach auch ein beherztes “Fick Dich selber”…

  • Julia

    @Manolo
    Ich finde es gut dass du als Mann etwas gesagt hast.
    Denn bei Sexismuss geht es nicht um arme Frau / böser Mann bzw. anders herum.
    Sondern um das ausnutzen einer Machtposition.
    Und da Karriere-Frauen eben auch Macht haben, kann Sexismuss eben auch Männer treffen.
    Deshalb ist es wichtig die standard-Rollenklisches zu vergesseb, und Situationsabhängig zu schauen WER Regeln verletzt.

  • person_aus_deutschland

    Grundlegend:
    Sexismus: Diskreminiserung auf des Geschlechtes einer Person. Sexismus hat nichts mit Sex zu tun. Es kann sexistische Situationen geben in denen Sex vorkommt (Gesetzlich Erlaubte Vergewaltigung der Frau in der Ehe), aber generell haben beide nichts miteinander zu tun.

    “Er ist mehr als 40 Jahre älter als ich und eigentlich schon in Pension. Das hindert ihn nicht daran sich danach zu erkundigen, ob ich nicht die Nacht bei ihm verbringen möchte.”

    Ich sehe kein Problem darin das alte Menschen mit jungen Leute flirten. Es gibt Menschen die stehen auf ältere Partner.

    ” Hinter mir kommt jemand in den Lift, der geschätzte 30 Jahre älter ist als ich.”
    Ist das wichtig für die Geschichte?

    „Aber das haben die Frauen halt nicht gerne. Schnell raus und wieder rein.“
    Ein Witz mit sexueller Komponente. Bei Unbekannten vielleicht etwas zu direkt und dreist aber nicht unbedingt sexistisch, vielleicht sogar mehr an die Kollegen als auf die weibliche Person im Fahrstuhl gerichtet. Wo wird jemand dadurch aufgrund seines Geschlechtes diskreminiert? Sicher unangehme Situation, aber nicht unbedingt Sexismus.

    “In einer kurzen Sendepause spricht der Regieleiter der Moderatorin über den Knopf im Ohr folgenden Satz zu: „Nimm ihn in den Mund!“ ”

    Sexuelle Belästitung am Arbeitsplatz. Auch wenn es witzig gemeint ist, zumindest bei der Wiederholung. Zumindest in Deutschland ein vergehen für das man bestraft werden kann. Hat die Frau anzeige erstattet oder mit dem Herren geredet?

    “In der Schweiz scheinen wir von dieser aufgeklärten Haltung noch sehr weit entfernt.”

    Ich glaube nicht, dass diese Haltung aufgeklärt ist.

  • FRutishauser

    Zitat: “In der Schweiz scheinen wir von dieser aufgeklärten Haltung noch sehr weit entfernt.”

    Ich stelle fest, dass die Schweiz generell von einer aufgeklärten Haltung sehr weit entfernt ist. Ein langjähriger Freund von mir hat es einmal so ausgedrückt: Die Schweiz ist [gesellschaftlich] wie Deutschland, nur dass hier die 68er nicht stattgefunden haben. Kein Wunder, dass es die Kreativen und Offenen ins Ausland zieht.

  • Am #aufschrei waren viele Schweizerinnen beteiligt, gingen aber in der Masse unter. #aufschrei war nicht ein Deutschländiges, sondern ein deutschsprachiges Phänomen, bei dem auch viele Frauen aus Österreich und der Schweiz mitschrieben.
    Die Probleme sind die selben, hüben wie drüben!
    https://mamahatjetztkeinezeit.wordpress.com/2013/01/28/gehort-sich-das-aufschrei/

  • nomenestomen

    „Es geht um Macht und hat nichts mit flirten zu tun.“ Inwiefern hat dein zweites Beispiel irgendwas mit Macht zu tun? Hat der Mann Macht über dich, weil er 40 Jahre älter ist? Im Gegensatz zum Beispiel mit dem Aufzug warst du ja anscheinend auch nicht räumlich begrenzt und konntest direkt ausweichen. Hättest du dich auch sexistisch belästigt gefühlt, wenn der Mann nur 5 Jahre älter gewesen wäre und außerdem attraktiv? Oder wäre es dann doch eher ein Flirt? Wer entscheidet über den anstandsgemäßen Altersunterschied, der einzuhalten ist, um nicht sexuell zu belästigen?

Trackbacks & Pings

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>